Auf der anderen Seite des Klassenzimmers

 

 

Vor ein paar Monaten saß ich selbst auf der Schulbank und lauschte mal mehr mal weniger interessiert den Ausführungen über Kafka, Binomischen Formeln, Demokratie Theorien, Chemischen Gleichungen und vielem mehr. Nun habe ich dieses  Jahr den Klassenraum nicht verlassen, aber ich habe die Seiten gewechselt. So zähle ich nicht mehr zu den Lernenden, sondern zu den Lehrenden. Obwohl mir an dieser Stelle ein gewisser Herr Seneca bestimmt widersprechen würde, denn er befindet, beim „Lehren lernt man“. Dies kann ich nur bestätigen. Der richtige Umgang mit Schülern ist eine hohe Kunst.

Tagtäglich stellen sich mir die gleichen Fragen:  Was ist der beste Weg, den Schülern den Stoff nahe zu bringen? Wie halte ich meine Klasse ruhig? Wie motiviere ich Sie? Und in schlechten Momenten: Kann ich denn gar nicht unterrichten, sind meine Schüler faul oder einfach blöd? Die Fragen tauchen immer wieder auf, die Antworten, hingegen, lassen sich nicht so schnell finden- außer auf die letzte Frage. Blöd sind sie nicht und faul nicht weniger oder mehr als die deutschen Schüler.

Ein paar generelle Infos: Ich unterrichte Englisch, Computer und englische Grammatik in der 3., 5. und 6. Klasse. Die Kinder der St.Xavier´s School kommen hauptsächlich aus dem strukturelleren schwächeren ländlichen Raum. Viele von ihnen gehören Volksstämmen an, einer nennt sich Adivasi. Diese haben traditionell wenig Zugang zu Bildung.
Father Dhobi, der Direktor der High School, erzählte mir, dass Sie oft die Ersten aus ihren Familien sind, die die Chance haben, Schulbildung zu genießen. Vor allem das Internat bietet den Kindern eine gute Möglichkeit, eine Schule konstant zu besuchen. Im Vergleich zahlen unsere Kinder rund 10 Euro im Monat für das Internat, während andere Schulen bis zu 500 Euro verlangen. Die besondere Situation vieler Kinder kann man auch daran erkennen, dass die meisten Externen neben der Schule noch zusätzlich arbeiten gehen und so ihre Familie unterstützen.

Neben den Möglichkeiten der Schule gibt es jedoch Dinge, die man kritischer sehen sollte. So ist körperliche Züchtigung ein etabliertes Erziehungsmittel.  Seit einigen Jahren ist dies zwar verboten. Jedoch ändern sich bekanntermaßen “Gewohnheiten“ nicht so schnell. Einerseits wird in vielen Familien dies weiterhin praktiziert, andererseits sind die meisten Lehrer mit keinem anderen pädagogischen Mitteln vertraut. Zusätzlich existiert –meiner Meinung nach- kein großes  Bewusstsein, dass dies eine „inhumane“ Bestrafung ist. Als ich Lehrer und ebenso einige Schüler befragt habe, wie sie Beating  beurteilen, sind mir Sätze entgegengeflogen, wie „nur, der mich liebt, schlägt mich auch“(Schüler) und „Ich mag es zwar nicht, aber den Schüler hilft es“ (Lehrer).

Clara und ich verfolgen einen anderen Ansatz im Umgang mit den Schülern. Während ich mit meinen Kindern ein Bestrafungssystem erarbeitet habe, in dem die Kinder sich ihre Strafen selbst zusammengestellt haben, wendet Clara ein Belohnungssystem mit Stickern und Süßigkeiten an. Wir sind immer noch in der kreationistischen Phase und ein Allheilmittel für disziplinierten Unterricht haben wir auch noch nicht gefunden. Aber wir probieren viel und verzeichnen auch Erfolge. Dabei kommt uns zu Gute, dass wir selbst noch nicht allzu lange aus der Schule heraus sind. Somit sich wir sehr vertraut mit den Problemen und Bedürfnissen der Schüler. Trotzdem müssen wir noch viel Lernen, um gut zu Lehren.

P.S.: Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass dies alles meine persönlichen Eindrücke sind und Andere die Situation vielleicht anders wahrnehmen würden.

 

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